Montag, 7. Dezember 2009

Die katholische Kirche und der Sieg von Evo Morales


Es war ein fulminanter Sieg, den der amtierende bolivianische Präsident Evo Morales am gestrigen Sonntag erzielen konnte. Evo wurde nicht nur bereits im ersten Wahlgang mit über 60 % der abgegebenen Stimmen wiedergewählt, sondern seine Partei, die Bewegung zum Sozialismus (MAS) konnte in den beiden Kammern eine Zweidrittelmehrheit erlangen.
Damit kann die tief gespaltene Opposition, die mit den Wahlen stark an Bedeutung verloren hat - abgesehen von ihren regionalen Hochburgen, künftig keine Vorhaben im Sinne einer gesellschaftlichen Transformation mehr blockieren.

Eine Niederlage nicht nur für die Bourgeoisie, sondern auch für die Oberen der katholischen Kirche. Michael Meyer, Bolivien-Experte des Bistums Hildesheim, erklärte gegenüber Radio Vatikan, dass sich die Beziehungen zwischen Kirche und Regierung künftig weiter abkühlen werden: "Erstens schreibt sich Evo Morales auf die Fahnen, dass er sich einsetzt für die Armen, die indigene Bevölkerung, für die Arbeitslosen. Die Kirche trägt an sich das Ziel mit, die Lebensbedingungen dieser Menschen zu verbessern. Allerdings sagt die Kirche: Wir lassen uns nicht missbrauchen als Verbündete in einem ideologischen System, denn die Kirche steht für Armeneinsatz in einem freiheitlichen System! ... Ein weiterer Punkt, den die Bischofskonferenz des Landes immer wieder angemahnt hat: Gerechtigkeit braucht einen Rechtsstaat. Seit zwei Jahren ist das Verfassungsgericht hier außer Kraft gesetzt! Die Kirche hat immer wieder funktionierende staatliche Organe gefordert. Und dann hat sie auch den Anstieg des Kokainhandels, von Drogen insgesamt, kritisiert. Die Kirche mahnt: Durch den Anbau dieser Drogen fährt der bolivianische Staat in eine Sackgasse." Bereits am Wahlsonntag berichtete der päpstliche Radiosender: Die an diesem Sonntag stattfindenden Wahlen sollen "ein Spiel des Gleichgewichts und des Dialogs" sein. Das wünscht sich der Erzbischof von Cochabamba, Tito Solari. Er rief die Bolivianer dazu auf, sich an der Wahl zu beteiligen und für ein "freies Bolivien" zu stimmen, das den zukünftigen Generationen Luft verschaffe. Bolivien wählt einen neuen Präsidenten; der linksgerichtete Amtsinhaber Evo Morales kann Umfragen zufolge mit einer sicheren Wiederwahl rechnen. In den vergangenen Monaten haben regierungsnahe Gruppen die katholische Kirche massiv attackiert. Der Generalsekretär der Bolivianischen Bischofskonferenz, Bischof Jesus Juarez Parraga, berichtete von einer Einschüchterungs-Strategie gegen Kirchenleute und gezielter Behinderung kirchlicher Caritas-Arbeit. Die Erklärungen von Tito Solari sind eindeutig. Was er mit "Spiel des Gleichgewichts und des Dialogs" und "freies Bolivien" meint ist klar. Es ist die Angst, weiterhin an Macht und Einfluß zu verlieren im Zuge einer strickten Trennung von Staat und katholischer Religion.

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Gibriam (Gast) - 2. Februar, 17:16
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