b (Gast) - 25. Oktober, 12:55

Grussbotschaft

Grußbotschaft von Rodolfo Vecino Avecedo, Sekretär der Erdölarbeitergewerkschaft USO. Er befindet sich derzeit auf einer Rundreise durch Europa und ist momentan in der Schweiz.


Genossinnen und Genossen, ich schicke Euch einen brüderlichen und kämpferischen Gruß von Euren GenossInnen in Kolumbien,

Mit dieser internationalistischen Kundgebung und mit Eurem Engagement zeigt Ihr heute der Welt dass die Solidarität ein Ausdruck der Liebe unter den Angehörigen derselben Klasse ist.
Ihr protestiert gegen die Präsentation der ExpoKolumbien, die der Öffentlichkeit das Bild eines Kolumbien präsentiert, das es nicht gibt. Die Betreiber der ExpoKolumbien bieten unsere Reichtümer zu Schnäppchenpreisen feil. Die Unternehmen aus Kolumbien oder die Europäischen Multis, die Stände auf der ExpoKolumbien haben, sind in vielen Fällen dieselben, die (unter dem Schutz des Völkermörders Alvaro Uribe) in Kolumbien Massaker, Folter und die Vertreibung von Menschenrechtsanwälten, Gewerkschaftern, Aktivisten aus den sozialen Bewegungen und Bauern anordnen.

Viele der Produkte und Reichtümer aus unserem Land, die auf der Messe angeboten werden, sind vollgesogen mit dem Blut eines Volkes, dessen Reichtümer in so wenigen Händen konzentriert sind wie nirgendwo sonst auf der Welt. Gleichzeitig ist die Armut dieses Volkes so groß, dass sie 10 Millionen Menschen umfasst die im absoluten Elend leben (mit einem Einkommen von weniger als einem Dollar am Tag) und weitere 12 Millionen, die arm sind. Das bedeutet dass insgesamt mehr als 50% der Bevölkerung in Armut leben.

Die Situation in Kolumbien ist heute so schlimm wie seit 20 Jahren nicht: die Regierung ist korrupt, permanent werden die Menschenrechte verletzt, es herrscht eine humanitäre Krise, weil mehr als 4 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer mit Gewalt vertrieben wurden. Ihnen wurde mit der Zustimmung der Regierung Uribe mehr als 2 Millionen Hektar besten Landes gestohlen und jetzt irren sie im Land umher, in einem Zustand schlimmer als Bettler.
Diese gestohlenen Ländereien sind heute Teil der großen Anpflanzungen von Ölpalmen und Zuckerrohr. Beides wird für die Herstellung von Biotreibstoffen verwendet, die exportiert werden, u.a. nach Deutschland, das 40% der Exporte erhält.
Den Arbeitern in diesen Plantagen werden die arbeitsrechtlichen Mindeststandards aberkannt. Sie haben oft keine Sozialversicherung und wenn sie etwas einfordern, werden sie bedroht. - Alle Sektoren der kolumbianischen Wirtschaft funktionieren auf diese Weise.

70% der Abgeordneten des kolumbianischen Parlaments sind entweder im Gefängnis oder stehen vor Gericht, weil sie angeklagt sind, mit paramilitärischen Gruppen zusammengearbeitet zu haben.

Gegen den Vizepräsidenten Francisco Santos läuft eine Ermittlung wegen der Verdachts er habe paramilitärische Gruppen aufgebaut. Kolumbien ist angeklagt, Staatsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben, weil die kolumbianische Armee Zivilpersonen ermordet hat. (...)

Kolumbien ist das Land in dem 60% der aller Morde an Gewerkschaftern weltweit begangen werden. In den letzten 20 Jahren sind 4.000 Gewerkschaftsfunktionäre umgebracht worden, bis heute sind 2.760 dieser Fälle dokumentiert. Im laufenden Jahr 2009 sind bereits 24 Gewerkschafter ermordet worden. In den sieben Jahren der Regierung Uribe wurden mehr als 500 Gewerkschafter ermordet, das sind einer alle drei Tage.

Es gibt heute in Kolumbien multinationale Konzerne, die in der EU gerichtlich verurteilt wurden, weil sie Paramilitärs unterstützt haben, wie Chiquita Brands, die kolumbianische Bananen in Europa verkaufen. Außerdem das Unternehmen Drumond, das Kohle abbaut und Glencore, ein Schweizer Unternehmen, Cargill, ADM Oils, die Fats Noblee and Thorl GmbH, sowie Daabon International die das Öl der Ölpalme nach Europa verkaufen.

In unserem Sektor, dem Erdöl, sind 105 Funktionäre der Erdölarbeitergewerkschafdt USO ermordet worden. 37 Genossen sind entführt worden, zwei wurden verschwunden, mehr als 400 Arbeiter wurden vertrieben, es gab über 100 Attentate, 5 Genossen sind ins Exil nach Europa gezwungen worden. In meinem Fall war die Verfolgung durch den kolumbianischen Staat vielfältig: es wurden Attentate gegen mich verübt, ich musste aus meiner Stadt fliehen, ich war allen Arten von Drohungen ausgesetzt, es gab den Versuch meine Kinder zu entführen. Heute mache ich meine Arbeit als Gewerkschaftsführer mit großer Angst. Wir leisten hier Widerstand und erhalten kämpfend die soziale Bewegung und die Arbeiterbewegung.

Genossinnen und Genossen, danke für Eure Solidarität, die die Zärtlichkeit der Völker ist, Nein zur Unterzeichnung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Kolumbien, lasst uns den Kampf und die Hoffnung globalisieren, Schluß mit den Ermordungen in Kolumbien, gegen die Wiederwahl von Alvaro Uribe Vélez, es lebe ein freies und souveränes Kolumbien.

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