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Vom Soziologen zum "Terroristen"


Am 22. April schob der mexikanische Staat den Kolumbianer Dr. Miguel Ángel Beltrán Villegas nach Kolumbien ab. Beltrán Villegas lehrt Soziologie an der bekanntesten mexikanischen Universität, der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (UNAM).



Die Abschiebung erfolgte ohne jede rechtsstaatliche Grundlage. Die kolumbianische Justiz und die rechtsextreme Regierung von Alvaro Uribe wirft dem Soziologen vor, im Auftrag der Guerilla FARC unter dem Namen 'Jaime Cienfuegos' "akademische Zirkel in Lateinamerika" infiltriert zu haben.
Kolumbien beruft sich dabei auf Computerdaten aus dem Laptop von Raul Reyes. Reyes, ehemalige Nummer Zwei der FARC, war Anfang März 2008 bei einem Luftangriff der kolumbianischen Armee getötet worden. Soldaten bargen neben der Leiche von Reyes auch einen Laptop. Auf dem anschließend zahlreiche obskure Daten "gefunden" worden waren. (redblog berichtete)

Im Camp befand sich neben Guerilleros der FARC auch eine mexikanische Philosphie- und Literaturstudentin Lucía Andrea Morett Álvarez. Sie überlebte den Angriff. In der Folge erhoben Vertreter der kolumbianischen Regierung schwere Vorwürfe gegen Studierende der UNAM. Daß Lucía Morett zwecks Forschungsarbeiten im Camp war, spielte keine Rolle. Die UNAM gilt Uribe und Co. als Hort der FARC.

Andrej Holm, Stadtsoziologe und Beschuldigter im mg-Verfahren, veröffentlichte dieser Tage eine Solidaritätserklärung und machte den Fall somit hierzulande bekannt. Dr. Miguel Ángel Beltrán Villegas, Soziologe an der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (UNAM) wurde am 22. Mai mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der kolumbianischen Guerilla FARC nach Kolumbien abgeschoben und dort inhaftiert. Die wenigen Informationen, die in Deutschland zu diesem Fall bekannt geworden sind, zeigen eine weitere skandalöse Kriminalisierung von kritischen Wissenschaftler/innen im Namen des angeblichen »Kampfes gegen den Terrorismus«. Im Interview aus dem Knast erklärte der Soziologe am 3. Juni gegenüber dem kolumbianischen Radiosender WRadio, daß er kein Mitglied der FARC sei. Kontakte zur FARC bestanden einzig im ZUsammenhang mit seiner wissenschaftlichen Arbeit. Beispielhaft zeigt Moderator, daß er sich auf die Argumente von nicht einlassen will, wenn er immer wieder fragt, ob die FARC eine terroristische Gruppe sei. Die Erklärung von Miguel Ángel Beltrán, dass es bei der FARC um einen politischen Akteur handelt wird unter keinen Umständen akzeptiert. Das von der kolumbianischen Regierung und den Medien vertretene "Terrorismus"-Konzept.
Bei Minute 14 wird Miguel Ángel Beltrán nach Lucía Morett gefragt. Da dem Moderator die Stimme nicht einfällt, schaltet sich eine Frau in das Gespräch ein. Das Interiew ist offensichtlich ein Versuch den "Terroristen" Miguel Ángel Beltrán vorzuführen, dies scheitert jedoch eindeutig.

Protestaktion mexikanischer Studenten


Universitarios contra la explusión de Miguel Ángel Beltrán


Adresse für Proteste:

Mexikanische Botschaft
Klingelhöferstr. 3, 10785 Berlin
Tel.: 030 269 323 0
Email: mail@mexale.de

Kolumbianische Botschaft
Kurfürstenstraße 84
10787 Berlin
Tel.: 030 26 39 610
Email: info@botschaft-kolumbien.de

Links:
Libertad para el sociólogo Miguel Ángel Beltrán Villegas
Erklärung von Andrej Holm
Annalist über den Fall

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