Mittwoch, 5. März 2008

Keine Entspannung in Lateinamerika


Nach einem Angriff der kolumbianischen Armee auf ein Guerillacamp der FARC auf ecuadorianischem Boden (redblog berichtete) ist keine Entspannung der Situation in Sicht. Gestern beendeten sowohl Ecuador als auch Venezuela ihre diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien. Die von der kolumbianischen Regierung vorgebrachte Entschuldigung, die Ecuadors Präsident Correa verlangt hatte, sei nicht ernsthaft gemeint gewesen so Correa.
Bereits am Montag hatten beide Länder ihre Botschafter zurückbeordert und Ecuador wies den kolumbanischen Botschafter aus. Keine halbe Stunde später präsentierte der kolumbianische Polizeichef Oscar Naranjo Dokumente, nach denen die FARC Beziehungen zur ecuadorianischen Regierung unterhalten habe. Mittlerweile bestätigte die Regierung dies, verwies jedoch darauf, daß es bei diesen Beziehungen einzig darum ging, eine Lösung für die von den FARC gefangengehaltenen Geiseln zu erreichen. Nach Aussagen von Correa war man auch in der Frage um eine Freilassung der ehemaligen grünen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt weit vorangeschritten, für Mitte März sei ihre Freilassung geplant gewesen. Auch die französische Regierung gab mittlerweile bekannt, in Verbindung mit der FARC gestanden zu haben, um eine Freilassung von Bentancour zu erreichen, die neben der kolumbianischen auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt.
Die FARC schreibt in einer von von der Bolivarischen Presseagentur veröffentlichten Erklärung (deutsche Übersetzung), Raul Reyes habe sich eben für diese Gespräche in Ecuador aufgehalten, um ein Gespräch mit dem französischen Präsidenten Sarkozy vorzubereiten. Dieser hatte verkündet, er sei bereit, sich für eine Freilassung Betancourts selbst in den kolumbianischen Dschungel zu begeben.
In der Erklärung heißt es unter anderem weiter, daß nach dem Tode von Raul Reyes (FARC: "beispielhafter Revolutionär") werde Joaquín Gómez (Milton de Jesús Toncel Redondo) die Position des Internationalen Sprechers einnehmen und "ab diesem Datum als Vollmitglied in das Sekretariat des Zentralen Oberkommandos" eintreten.

Neben diesem Dokument aus Reyes Laptops, fand die kolumbianische Regierung angeblich auch weitere Informationen auf den Rechnern. So soll die FARC 300 Millionen Dollar von Chavez erhalten haben. Bereits Anfang der 90er Jahre soll die FARC den damals inhaftierten Chavez mit rund 150.000 Dollar unterstützt haben. Desweiteren soll die Guerilla den Kauf von 50 Kilogramm Uran geplant haben. Die kolumbianische Regierung kündigte daher am Dienstag an, Chávez wegen Unterstützung der FARC vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu verklagen.

An der Person des Polizeichefs Oscar Naranjo wird deutlich, in was für familiären Kreisen sich wichtige Staatsbeamte bewegen. Der Bruder von Naranjo, Juan David Naranjo, sitzt derzeit wegen Drogenhandels in einem deutschen Gefängnis. Er wurde am 27.04.2006 mit 35 Kilogramm Kokain in Köln verhaftet. Erst im Februar 2007 trat die Außenministerin Maria Consuelo zurück, nachdem bekannt geworden war, daß ihr Bruder Alvaro Araújo, damals Senator im Parlament, verhaftet worden war, weil er Paramilitärs finanziert haben soll. Von ihm stammen auch die Worte "Wenn nach mir gesucht wird, müssen sie auch nach meiner Schwester und Präsident Alvaro Uribe suchen".

Mittlerweile versuchen sowohl die anderem lateinamerikanischen Länder in dem Konflikt zu vermitteln, als auch die OEA (Vereinigung der amerikanischen Staaten) und die UNO. Die Mehrzahl der lateinamerikanischen Länder verurteilte das Vorgehen Kolumbiens, Unterstützung erhielt Uribe erwartungsgemäß von der US-amerikanischen Regierung.

Erklärung von Bush

Quelle: White House

Democracy Now, 4.3.2008
With US Assistance, Colombian Troops Attack and Kill 20 FARC Rebels Inside Ecuador
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