Bilder, die sie wollten
redblog - 3. Juni, 10:50 - Politik
Einhunderttausend Menschen hatten die Veranstalter der gestrigen Großdemo in Rostock erwartet. Ganz so viele waren dem Aufruf nicht gefolgt. Die Veranstalter sprachen von 80.000 Teilnehmern, die Polizei hingegen nur von 25.000. Am Ende werden es wohl zwischen 50.000 und 60.000 Menschen gewesen sein, die ihren Protest gegen die Politik der G8 in Rostock auf die Straße trugen.
Die Angaben der Polizei wurden von den meisten Medien ungefragt übernommen.
Zwei Demonstrationszüge zogen gestern durch die Hansestadt, am Ende traf man sich am Stadthafen zur Abschlußkundgebung. Wenn man bedenkt, daß allein über 400 Busse nach Rostock führen, wird schnell deutlich, daß die Angeben der Polizei stark untertrieben sind. Vierhundert Busse á 50 Insassen ergibt "nach Adam Riese" schon mal 20.000.
Das Kleinrechnen von Demonstrationszügen ist jedoch keine Neuheit, sondern die Regel.
Laut und bunt zogen die Demonstrationen zum Stadthafen. Als die ersten Teilnehmer der Demo vom Schutower Kreuz den Stadthafen erreichten, kreisten bereits zwei Hubschraubschrauber über dem Platz. Sie flogen so tief, daß über längere Zeit nichts oder nur sehr schwer zu verstehen war, was auf der Bühne passierte. Die Reden gingen teilweise im Rotorengeräusch der Hubschrauber unter. Zwischendurch wurde auch die Veranstaltung unterbrochen und die Forderung von Seiten der Veranstalter aufgestellt die Polizei soll sich zurückhalten und die Hubschrauber abziehen. Nachdem die Hubschrauber dann weg waren, wurden die Reden fortgesetzt.
Am Rande der Abschlußkundgebung eskalierte die Situation. Mehreren Berichten zufolge ging die Gewalt von einigen wenigen Leuten aus dem Zug aus. Die Polizei reagierte massiv und trug so zu einer Verschärfung der Situation maßgeblich bei. So sollen völlig ungeschützt zwei leere Wannen auf dem Platz gestanden haben, die dann Ziel von Angriffen wurden. Auch ging die Polizei immer wieder massiv in die Kundgebung rein, auch dort, wo sich offensichtlich nur Menschen aufhielten, die gewaltfrei demonstrieren wollten. Die Polizei setzte bei ihrem Einsatz Schlagstöcke und Reizgas ein. Das Reizgas erreichte sogar den etwas abseits am Platz gelegenen Sendeplatz des ZDF, wie die Reporterin Sylvia Bleßmann im heute journal erklärte.
Der Republikanische Anwaltsverein (RAV) hat der Polizei in Rostock brutales Verhalten, tätliche Angriffe auf Anwälte sowie den Bruch von Vereinbarungen vorgeworfen. So wurden Anwälte nicht zu Verhafteten gelassen. Der RAV erklärte weiter, daß auch gekennzeichnete Demo-Sanitäter von Polizisten mit Gewalt an Hilfeleistungen für verletzte Demonstranten gehindert wurden.
Wie in den letzten Tagen bereits immer wieder versucht wurde, die Situation anzuspannen zeigt exemplarisch das Video über die Kontrolle und Durchsuchung einer LKW-Karawane auf dem Weg zum zukünftigen Anti-G8-Camp in Wichmannsdorf.
Die Veranstaltungsleitung distanzierte sich von der Gewalt durch Demonstranten, kritisierte jedoch auch mit klaren Worten die Gewalttätigkeit der Polizei.
Daß es auch von Seiten, zumindest eines Teils, der Polizei Interesse an solchen Auseinandersetzungen gab, kann angenommen werden. Damit wurden nämlich Schäuble & Co. und den Medien eben solche Szenarien geliefert, die sie selbst seit Wochen an die Wand gemalt haben. "Gewalttätige Demonstranten randalieren in Rostock". Die bürgerlichen Medien spielen dabei natürlich eine zentrale Rolle, wenn sie sich in ihren Berichten eben genau auf solche Bilder stützen und das eigentliche Anliegen in den Hintergrund rückt.
Den Aktivisten, die in den kommenden Tagen vor Ort aktiv an Blockaden sein wollen, dürfte man mit diesen von einzelnen provozierten Auseinandersetzungen ganz sicher kein Gefallen getan haben. Welche Auswirkungen dies auf die gerichtliche Auseinandersetzungen über das Demonstrationsverbot rund um den Zaun von Heiligendamm haben wird, wird sich erst noch zeigen müssen.
Verwiesen sei hier auf zwei aktuelle Beiträge auf telepolis:
Peter Bürger: Bericht eines Demonstranten aus Rostock
Peter Nowak: Demonstration gegen G8-Gipfel endete in Militanz
G8: Immer aktuell informiert
Links zu alternativen Informationsmedien
Die Angaben der Polizei wurden von den meisten Medien ungefragt übernommen.
Zwei Demonstrationszüge zogen gestern durch die Hansestadt, am Ende traf man sich am Stadthafen zur Abschlußkundgebung. Wenn man bedenkt, daß allein über 400 Busse nach Rostock führen, wird schnell deutlich, daß die Angeben der Polizei stark untertrieben sind. Vierhundert Busse á 50 Insassen ergibt "nach Adam Riese" schon mal 20.000.
Das Kleinrechnen von Demonstrationszügen ist jedoch keine Neuheit, sondern die Regel.
Laut und bunt zogen die Demonstrationen zum Stadthafen. Als die ersten Teilnehmer der Demo vom Schutower Kreuz den Stadthafen erreichten, kreisten bereits zwei Hubschraubschrauber über dem Platz. Sie flogen so tief, daß über längere Zeit nichts oder nur sehr schwer zu verstehen war, was auf der Bühne passierte. Die Reden gingen teilweise im Rotorengeräusch der Hubschrauber unter. Zwischendurch wurde auch die Veranstaltung unterbrochen und die Forderung von Seiten der Veranstalter aufgestellt die Polizei soll sich zurückhalten und die Hubschrauber abziehen. Nachdem die Hubschrauber dann weg waren, wurden die Reden fortgesetzt.
Am Rande der Abschlußkundgebung eskalierte die Situation. Mehreren Berichten zufolge ging die Gewalt von einigen wenigen Leuten aus dem Zug aus. Die Polizei reagierte massiv und trug so zu einer Verschärfung der Situation maßgeblich bei. So sollen völlig ungeschützt zwei leere Wannen auf dem Platz gestanden haben, die dann Ziel von Angriffen wurden. Auch ging die Polizei immer wieder massiv in die Kundgebung rein, auch dort, wo sich offensichtlich nur Menschen aufhielten, die gewaltfrei demonstrieren wollten. Die Polizei setzte bei ihrem Einsatz Schlagstöcke und Reizgas ein. Das Reizgas erreichte sogar den etwas abseits am Platz gelegenen Sendeplatz des ZDF, wie die Reporterin Sylvia Bleßmann im heute journal erklärte.
Der Republikanische Anwaltsverein (RAV) hat der Polizei in Rostock brutales Verhalten, tätliche Angriffe auf Anwälte sowie den Bruch von Vereinbarungen vorgeworfen. So wurden Anwälte nicht zu Verhafteten gelassen. Der RAV erklärte weiter, daß auch gekennzeichnete Demo-Sanitäter von Polizisten mit Gewalt an Hilfeleistungen für verletzte Demonstranten gehindert wurden.
Wie in den letzten Tagen bereits immer wieder versucht wurde, die Situation anzuspannen zeigt exemplarisch das Video über die Kontrolle und Durchsuchung einer LKW-Karawane auf dem Weg zum zukünftigen Anti-G8-Camp in Wichmannsdorf.
Die Veranstaltungsleitung distanzierte sich von der Gewalt durch Demonstranten, kritisierte jedoch auch mit klaren Worten die Gewalttätigkeit der Polizei.
Daß es auch von Seiten, zumindest eines Teils, der Polizei Interesse an solchen Auseinandersetzungen gab, kann angenommen werden. Damit wurden nämlich Schäuble & Co. und den Medien eben solche Szenarien geliefert, die sie selbst seit Wochen an die Wand gemalt haben. "Gewalttätige Demonstranten randalieren in Rostock". Die bürgerlichen Medien spielen dabei natürlich eine zentrale Rolle, wenn sie sich in ihren Berichten eben genau auf solche Bilder stützen und das eigentliche Anliegen in den Hintergrund rückt.
Den Aktivisten, die in den kommenden Tagen vor Ort aktiv an Blockaden sein wollen, dürfte man mit diesen von einzelnen provozierten Auseinandersetzungen ganz sicher kein Gefallen getan haben. Welche Auswirkungen dies auf die gerichtliche Auseinandersetzungen über das Demonstrationsverbot rund um den Zaun von Heiligendamm haben wird, wird sich erst noch zeigen müssen.
Verwiesen sei hier auf zwei aktuelle Beiträge auf telepolis:
Peter Bürger: Bericht eines Demonstranten aus Rostock
Peter Nowak: Demonstration gegen G8-Gipfel endete in Militanz
G8: Immer aktuell informiert
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