Streik um die Zukunft
redblog - 13. Februar, 13:07 -
Am 25. Januar 2006 traten die 320 ArbeiterInnen des Buntmetallwerkes „La Boillat“ im schweizerischen Reconvilier in den Streik. Das Werk gehört zum Konzern Swissmetal, welches einen Teil der Produktion ins 60 Kilometer entfernte Dornach verlagern will. Im Speziellen geht es um die Gießerei. Mit der Verlagerung sind 80 Stellen bedroht, die ersten Kündigungen wurden bereits ausgesprochen. Die ArbeiterInnen bezweifeln die Angaben der Konzernleitung, wonach trotz der Schließung der Gießerei in Reconvilier das Werk selber erhalten bleiben soll. Nach Aussagen des Vorstandes soll in Zukunft in „La Boillat“ nur noch die Endfertigung erfolgen.
Die Streikenden glauben jedoch, daß mit der Gießerei erst der Anfang gemacht werden soll und am Ende die komplette Schließung des Werkes stehen wird. Unterstützung erhalten die ArbeiterInnen nicht nur von der Gewerkschaft Unia, sondern auch von KommunalpolitikerInnen aller Couleur. Im schweizer Fernsehen lehnte selbst der Bürgermeister von Reconvilier, Mitglied der FDP, die Pläne von Swissmetal ab.
Der Ort steht hinter den streikenden Beschäftigten, da viele befürchten, daß eine Schließung des Werkes negative Auswirkungen für die gesamte Region haben würde. In der Disko "Perroquet" in Reconvilier fließt von jedem verkauften Getränk ein Franken in die Streikkasse. Sollten die Befürchtungen der Belegschaft stimmen, geht Unia von einem Verlust von 4.000 Arbeitspläzen in der Region aus.
Der Konzernleitung mit dem deutschen Martin Hellweg an der Spitze werfen ArbeiterInnen und Gewerkschaft wiederholten Wortbruch vor. Bereits im November 2004 wurde in Reconvilier um die Zukunft
des Werkes gestreikt. Damals wurde ein Kompromiß ausgehandelt, den Standort Reconvilier zu sichern. Im Dezember 2005 nahm der Werksleiter, der das Vertrauen der Belegschaft besaß, seinen Hut. Kurzerhand wurde die Werksleitung nach Dornach verlegt, ohne die Belegschaft einzubeziehen. Nach dem Streikbeginn im Januar entschied ließ Hellweg zwei Tage später das Werk stillegen. Für Hellweg sind die streikenden ArbeiterInnen nichts weiter als "Querulanten". Anfang Februar wurde der Streikführer Nicolas Wuillemin entlassen, was zu heftigem Protest der Gewerkschaft führte.
Am 10. Februar teilte die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit, daß die Beschäftigten Briefe per Einschreiben bekamen.
Darin wurde sie aufgefordert, die Arbeit wieder aufzunehmen, allerdings im Werk Dornach. Sollten sie dem nicht nachkommen, müßten sie mit Kündigungen rechnen.
Gegenüber dem schweizer Fernsehen zeigten zwei Beschäftigte
des Werkes Dornach Unverständnis über den Streik. Nach Angaben der Unia unterliegen sie jedoch einem Redeverbot, es sei denn, sie würden die Meinung der Geschätsleitung vertreten. Am Samstag, 11. Februar kamen über 10.000 Menschen - eine der größten Kundgebungen, die es je im Berner Jura gegeben hat - um die Belegschaft in ihrem Kampf um die Arbeitsplätze zu ünterstützen.
Hellweg gilt in den meisten Medien als Sanierer der Swissmetal. Machte das Unternehmen 2002 einen Verlust von 27 Millionen Franken, konnte 2003 ein operativen Gewinn von einer Million und 2004 von 8,4 Millionen erreicht werden. Die Krise war jedoch eine hausgemachte durch das Management. So führte das Unternehmen sein Werk Busch-Jaeger
im deutschen Lüdenscheid 2002 in den Konkurs, weil es als nicht
rentabel erachtet wurde. Damals verloren 100 von 270 Angestellten ihre Arbeit. Mittlerweile hatte sich das Werk sich zu einem "ernstzunehmenden Konkurrenten" der Swissmetal entwickelt, unter anderem wegen der Investionen die Swissmetal in den neunziger Jahren getätigt hatte. Ende letzter Woche kaufte die Swissmetal das Werk zurück.
Der Konzernvorstand setzt weiter auf Konfrontation, die Streikenden wollen jedoch standhaft bleiben. Nach der großen
Unterstützung am Wochenende mit 10.000 Protestierenden wurde ihnen mit viel Solidarität der Rücken gestärkt. Renzo Ambrosetti, Co-Präsident Unia, erklärte auf der Kundgebung: "Wir kämpfen gemeinsam für eine klare Perspektive für die Boillat. Und das ist die Perspektive für die Arbeitnehmenden. Wir lassen uns die Arbeitsplätze nicht kaputt machen." Der Forderung des Unternehmens, am heutigen Morgen die Arbeit im Werk Dornach aufzunehmen, ist niemand gefolgt. Darauf entließ Swissmetal 21 Personen, die in der Streikleitung aktiv sind, fristlos. Die Gewerkschaft rät den ArbeiterInnen juristisch gegen die
Entlassung vorzugehen.
Unia: Solidaritätsbotschaften

Die Streikenden glauben jedoch, daß mit der Gießerei erst der Anfang gemacht werden soll und am Ende die komplette Schließung des Werkes stehen wird. Unterstützung erhalten die ArbeiterInnen nicht nur von der Gewerkschaft Unia, sondern auch von KommunalpolitikerInnen aller Couleur. Im schweizer Fernsehen lehnte selbst der Bürgermeister von Reconvilier, Mitglied der FDP, die Pläne von Swissmetal ab.
Der Ort steht hinter den streikenden Beschäftigten, da viele befürchten, daß eine Schließung des Werkes negative Auswirkungen für die gesamte Region haben würde. In der Disko "Perroquet" in Reconvilier fließt von jedem verkauften Getränk ein Franken in die Streikkasse. Sollten die Befürchtungen der Belegschaft stimmen, geht Unia von einem Verlust von 4.000 Arbeitspläzen in der Region aus.
Der Konzernleitung mit dem deutschen Martin Hellweg an der Spitze werfen ArbeiterInnen und Gewerkschaft wiederholten Wortbruch vor. Bereits im November 2004 wurde in Reconvilier um die Zukunft
des Werkes gestreikt. Damals wurde ein Kompromiß ausgehandelt, den Standort Reconvilier zu sichern. Im Dezember 2005 nahm der Werksleiter, der das Vertrauen der Belegschaft besaß, seinen Hut. Kurzerhand wurde die Werksleitung nach Dornach verlegt, ohne die Belegschaft einzubeziehen. Nach dem Streikbeginn im Januar entschied ließ Hellweg zwei Tage später das Werk stillegen. Für Hellweg sind die streikenden ArbeiterInnen nichts weiter als "Querulanten". Anfang Februar wurde der Streikführer Nicolas Wuillemin entlassen, was zu heftigem Protest der Gewerkschaft führte.
Am 10. Februar teilte die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung mit, daß die Beschäftigten Briefe per Einschreiben bekamen.
Darin wurde sie aufgefordert, die Arbeit wieder aufzunehmen, allerdings im Werk Dornach. Sollten sie dem nicht nachkommen, müßten sie mit Kündigungen rechnen.
Gegenüber dem schweizer Fernsehen zeigten zwei Beschäftigte
des Werkes Dornach Unverständnis über den Streik. Nach Angaben der Unia unterliegen sie jedoch einem Redeverbot, es sei denn, sie würden die Meinung der Geschätsleitung vertreten. Am Samstag, 11. Februar kamen über 10.000 Menschen - eine der größten Kundgebungen, die es je im Berner Jura gegeben hat - um die Belegschaft in ihrem Kampf um die Arbeitsplätze zu ünterstützen.
Hellweg gilt in den meisten Medien als Sanierer der Swissmetal. Machte das Unternehmen 2002 einen Verlust von 27 Millionen Franken, konnte 2003 ein operativen Gewinn von einer Million und 2004 von 8,4 Millionen erreicht werden. Die Krise war jedoch eine hausgemachte durch das Management. So führte das Unternehmen sein Werk Busch-Jaeger
im deutschen Lüdenscheid 2002 in den Konkurs, weil es als nicht
rentabel erachtet wurde. Damals verloren 100 von 270 Angestellten ihre Arbeit. Mittlerweile hatte sich das Werk sich zu einem "ernstzunehmenden Konkurrenten" der Swissmetal entwickelt, unter anderem wegen der Investionen die Swissmetal in den neunziger Jahren getätigt hatte. Ende letzter Woche kaufte die Swissmetal das Werk zurück.
Der Konzernvorstand setzt weiter auf Konfrontation, die Streikenden wollen jedoch standhaft bleiben. Nach der großen
Unterstützung am Wochenende mit 10.000 Protestierenden wurde ihnen mit viel Solidarität der Rücken gestärkt. Renzo Ambrosetti, Co-Präsident Unia, erklärte auf der Kundgebung: "Wir kämpfen gemeinsam für eine klare Perspektive für die Boillat. Und das ist die Perspektive für die Arbeitnehmenden. Wir lassen uns die Arbeitsplätze nicht kaputt machen." Der Forderung des Unternehmens, am heutigen Morgen die Arbeit im Werk Dornach aufzunehmen, ist niemand gefolgt. Darauf entließ Swissmetal 21 Personen, die in der Streikleitung aktiv sind, fristlos. Die Gewerkschaft rät den ArbeiterInnen juristisch gegen die
Entlassung vorzugehen.
Unia: Solidaritätsbotschaften
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