Das enge Weltbild des Christoph Röckerath
redblog - 2. Januar, 20:50 - Lateinamerika

Schöne Bilder und Propaganda - Zur ZDF-Doku Insel aus einer anderen Zeit
Das ZDF schickte einen seiner USA-Korepondenten auf die andere Seite des Golfes von Mexiko, nach Kuba. Christoph Röckerath zeigt schön Bilder von der karibischen Insel. Sobald es jedoch politisch wird, zeigt sich sein einen Blick aus dem engen Weltbild eines oberlehrerhaften Europäers.
Am deutlichsten wird dieser Blick, als Röckerath über die Zigarrenfabrik H. Upmann berichtet. Interessanterweise wird eben jene Szene nicht in der Doku gezeigt, sie lief vorab in den heute-Nachrichten zur Bewerbung der Dokumentation. Es habe sich nichts geändert bei der Herstellung der Zigarren. Wirklich nicht? Wie sieht es aus mit höhren Löhnen und den sozialen Sicherheiten, die die Arbeiter dank der Revolution erhalten haben? Kein Wort dazu von Christoph Röckerath. Statt dessen heißt es weiter, die Arbeiter würden die ganze Zeit von einer Vorleserin indokrtiniert, die ihnen politische Propaganda aus einer Arbeiterzeitung vorlesen würde. Jeder, der schon einmal in einer Zigarrenfabrik war, weiss, dass diese Vorleserinnen und Vorleser nicht "nur" "Propaganda" vorlesen, sondern alles mögliche. Aus Zeitungen, Zeitschriften, Romanen, ...
Aber dies paßt wohl nicht in das Weltbild eines Christoph Röckerath.
Mehr als einmal erklärt Röckerath, dass der Sozialismus keine Lösung sei. Pauschal wird dieser immer wieder abfällig erwähnt. Es fehlen jeglich Zusammenhänge mit politischen Entwicklungen, insbesondere in Bezug auf die Politik der USA.
Auch die Mär, den CUC, den peso convertible, würden nur Touristen besitzen, läßt sich in Cuba an jeder Ecke sehen. Die quinze, den fünfzehnten Geburtstag kubanischer Mädchen, den Röckerath in seiner Doku zeigt, wäre ohne einen einzigen CUC sicherlich nicht zu veranstalten, so aufwendig wie sie war.
Auch der Hinweis, dass Cubaner erst "seit kurzer Zeit" selbstsständig arbeiten können ist zweifelhaft. Es liegt wohl im Auge des Betrachters, welche Zeitspanne man als Grundlade nimmt, um eine "kurze Zeit" zu definieren. Bereits seit Anfang der neunziger Jahre können CubanerInnen auf eigene Rechnung arbeiten. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Änderungen in Gesetzen und Vorschriften, so dass die Zahl derer auch schwankte. Ein kleines Privatrestaurant zu betreiben ist bereits seit den neunziger Jahren möglich. In letzter Zeit änderte sich diesbezüglich jedoch, dann heute diese Restaurants mehr als zwölf Sitzplätze haben dürfen.
Natürlich gibt es auch in der cubanischen Gellschaft und Wirtschaft Probleme, keine Frage. Um diese Probleme jedoch darzustellen und zu verstehen, bedarf es einer Einordnung in politische Zusammenhänge.
Mehr als schöne Bilder hatten Christoph Röckerath und das ZDF nicht zu bieten. Aber so ist das wohl, wenn man nur einseitig sieht.
Trackbacks zu diesem Beitrag
trueten.de - Willkommen in unserem Blog! - 3. Januar, 05:04
Das enge Weltbild des Christoph Röckerath: Schöne Bilder und Propaganda - Zur ZDF-Doku Insel aus einer anderen Zeit
Das ZDF schickte einen seiner USA-Korepondenten... [weiter]
nesta (Gast) - 10. Januar, 22:13
mas socialista?
Im Bild: Sein ökonomisches Modell aktualisieren, um "mehr Sozialismus" oder "mehr Sozialisten" zu bekommen?
Apropos: Habe vor kurzem von der BGF gelesen. Sie nennen sich Bewegung für gesellschaftlichen Fortschritt (www.gesellschaftlicher-fortschritt.de) und scheinen die Frage „Was ist Sozialismus?“ und „Wie kommt man dahin?“ im Wesentlichen beantwortet zu haben
Apropos: Habe vor kurzem von der BGF gelesen. Sie nennen sich Bewegung für gesellschaftlichen Fortschritt (www.gesellschaftlicher-fortschritt.de) und scheinen die Frage „Was ist Sozialismus?“ und „Wie kommt man dahin?“ im Wesentlichen beantwortet zu haben
- (Gast) - 1. April, 01:21
Contra
Mir hat die Dokumentation einen sehr guten Einblick in den Alltag Kubas gegeben. Auch da ich schon einmal dort war, konnte ich die, in der Dokumentation geschilferten Eindrücke sehr gut nachvollziehen.
Dass Sozialismus alles in allem keinen Sinn macht kann jeder vernünftige Mensch (auch anhand dieser Bilder) nachvollziehen.
Dass Sozialismus alles in allem keinen Sinn macht kann jeder vernünftige Mensch (auch anhand dieser Bilder) nachvollziehen.
Ingo Dittmann (Gast) - 21. April, 15:41
Erstklassig
Was politisch korrekt ist oder nicht will ich nicht beurteilen.
Sehr wohl aber die Bilder. Die waren ERSTKLASSIG. Tolle Farben, interessante Menschen authentisch dargestellt und schöner Einsatz von Tiefenschärfe. Gratuliere.
Ich würde mich als angehenden Fotograf bezeichnen und habe Lust auf eine Kubareise bekommen.
Sehr wohl aber die Bilder. Die waren ERSTKLASSIG. Tolle Farben, interessante Menschen authentisch dargestellt und schöner Einsatz von Tiefenschärfe. Gratuliere.
Ich würde mich als angehenden Fotograf bezeichnen und habe Lust auf eine Kubareise bekommen.























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