Donnerstag, 18. August 2011

Und was kommt am Ende? - Zum Boykott-Aufruf gegen die junge Welt


Zum 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer veröffentlichte die Berliner Tageszeitung junge Welt eine Titelseite, die in den letzten Tagen für einigen Wirbel gesort hat. Dass die bürgerliche Politik und die ihr angeschlossenen Presseorgane mit Schaum vor dem Mund reagieren, ist wenig verwunderlich und nicht überraschend.

Das Titelbild nehmen nun Kreise der Linkspartei zum gefundenen Anlass, einen umfassenden Angriff auf die junge Welt zu führen. Auf der Internetseite www.freiheit-und-sozialismus.de rufen sie zum Boykott der Zeitung durch die Partei auf. Im Aufruf heißt es am Ende: "... Ein Anfang wäre die Einstellung jeder Kooperation mit der Tageszeitung “junge Welt”, was damit beginnt, diese Zeitung nicht mehr durch Anzeigenschaltung quasi “mit zu finanzieren” und ihr keine Stände mehr auf Veranstaltungen und Parteitagen zu genehmigen. ..." Da fragt man sich doch gleich, wo sie enden wollen.

Linksfraktionchef Gysi und andere aus der Fraktion erklärten bereits, dass es künftig keine Anzeigen mehr in der jW geben solle. Gysi verweist im Berliner Tagesspiegel drauf, dass man ohnehin schon "in der Printausgabe keine Anzeigen mehr" schalten würde.

Interessant zu lesen ist, dass sowohl die bürgerliche Presse als auch die Unterzeichner in diesem Falle bezahlte Anzeigen als rein finanzielle Unterstützung bezeichnen und nicht als Werbung. Somit diente auch jede andere (Partei-)Anzeige in Welt, FAZ & Co nicht der Werbung, sondern der finanziellen Unterstüzung der Verlage.

Wie der Bonner General-Anzeiger meldet, haben "namhafte Publizisten, Politiker, Bürgerrechtler und Opfer des DDR-Regimes die Partei- und Fraktionsführung der Linkspartei aufgefordert, die "Junge Welt" nicht länger zu unterstützen." Besonders empörten sich die Schreiberlinge über den Punkt "für 28 Jahre Hohenschönhausen ohne Hubertus Knabe".
Den offenen Brief haben Sie gleich zum Download auf Ihrer Internetseite bereit gestellt. Lädt man sich die Datei [pdf] runter und schaut in die Metadaten, sieht man, dass der Brief auf einem Rechner mit dem Namen "Knabe" erstellt wurde. Ein Schelm, ....

Die innerparteiliche Störmung Antikapitalistische Linke meldete sich nun auch zu Wort und wies die Boykott-Forderung zurück. In der Erklärung heißt es unter anderen: "Wenn Die Linke die Kooperation mit der jW einstellt, nimmt sie nicht zuletzt sich selber die Möglichkeit, ein nicht unbedeutendes Spektrum der Linken in Deutschland mit ihren Positionen zu erreichen."
Rüdiger Göbel, stellv. Chefredakteur der jW, im Interview auf Radio LORA

LORA München, 18.8.2011

Dokumentiert:
Titelbild der jW-Ausgabe vom 13. August 2011 - pdf-Download

Links:
jW: Wir sagen an dieser Stelle einfach mal: Danke, 13.8.11
jW: Leserbrife zum Artikel
trueten.de: Tugendbolde im Panikgalopp!, 17.8.11
Boykott-Aufruf: Keine Kooperation mit der Jungen Welt!
Generalanzeiger: Empörung über die "Junge Welt"
taz: Linkspartei will "junge Welt" kündigen
BILD: DDR-Verherrlichung muss strafbar sein!

Hinweis:
So privat dieses Blog ist, so privat ist dieser Beitrag. Zur Transparenz sei angefügt, dass der Verlag in dem die jW erscheint, Arbeitgeber des Autoren ist.

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Trackbacks zu diesem Beitrag

Schwarzer Freitag im August?

Dow Jones Industrial Average 1929 Quelle:... [weiter]
kucaf (Gast) - 19. August, 11:03

Wessen Brot ich …

Nun klärt so manches Gewitter die Luft, wobei in diesem Zusammenhang auch deutlich wird, welche Kräfte von außen Einfluss auf die Partei Die Linke haben und welchen all zu Willfähig nachgegeben wird.


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Erstklassig
Was politisch korrekt ist oder nicht will ich nicht...
Ingo Dittmann (Gast) - 21. April, 15:41
Chemnitz, diese Nazinest,...
Chemnitz, diese Nazinest, hat ja keine anderen Probleme.
Gibriam (Gast) - 19. April, 19:44
Contra
Mir hat die Dokumentation einen sehr guten Einblick...
- (Gast) - 1. April, 01:21

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